KI im Informatikunterricht
Diese Seite gilt für alle meine Informatikkurse. Sie regelt, wann und wie Sie generative KI (ChatGPT, Claude, Copilot, Gemini …) bei Aufgaben, Projekten und Abgaben einsetzen dürfen.
Grundlage sind die Handreichungen der Goethe-Universität Frankfurt (AG Generative KI). Was dort für Studierende gilt, gilt hier fast wortgleich – nur dass Sie zusätzlich Klausuren und ein Abitur ohne KI schreiben.
Kernsatz
Sie sind Autor*in Ihres Codes, nicht die KI. Oder in den Worten der Goethe-Universität: „Betrachten Sie KI nicht als Assistenten, der Ihnen unliebsame Aufgaben komplett abnimmt."
Warum überhaupt Regeln?
Das ist eine für Sie und mich spannende Frage, und die Antworten wandeln sich in der Praxis sicherlich von Tag zu Tag. Zwei Gründe bleiben aber stabil:
- Prüfungsrealität. In Klausuren und im Abitur müssen Sie Ihr Können ohne Hilfsmittel zeigen. Alles, was Sie im Unterricht auslagern, fehlt Ihnen dort.
- Kompetenzverlust. Die Goethe-Universität formuliert es deutlich: „Essenzielle Fähigkeiten wie kritisches Denken könnten verloren gehen, wenn Menschen nicht mehr selbst schreiben." Für uns heißt das: Wenn wir nicht selbständig modellieren und programmieren, verlieren wir diese und weitere Fähigkeiten. Denn es geht im Grunde nie um die konkreten Probleme, die Sie in der Schule behandeln, sondern darum, sie zu befähigen, kritisch zu denken, Probleme zu lösen, zu kommunizieren und mit anderen zusammenzuarbeiten etc.
Wenn Sie sich an die folgenden Vorgaben halten, tun Sie sich selbst einen Gefallen.
Was ist erlaubt?
Grundregel
KI darf genutzt werden, wenn sie nicht die bewertungsrelevante Eigenleistung ersetzt und die Nutzung offengelegt wird.
| Was | Beispiele | |
|---|---|---|
| Erlaubt ohne Kennzeichnung | Wissen abfragen, Begriffe klären, offensichtliche Fehler finden | - „Wie kann ich in Python mithilfe des csv-Moduls Werte aus einem Dictionary in eine CSV schreiben?" - „Wo habe ich in diesem Code einen Fehler? Ich finde ihn auch nach langem Debugging nicht selbst. Beschränke dich auf offensichtliche Fehler, gib mir keine anderen Verbesserungsvorschläge." - „Erkläre mir, was isinstance(betrag, (float, int)) genau prüft."- Testfälle zu einem eigenen Entwurf erfinden lassen |
| Erlaubt mit Kennzeichnung | Struktur, Review, Formulierung | - Gliederungs- oder Strukturvorschlag für ein Modell - Code-Review Ihrer fertigen Lösung - Kommentare und Docstrings sprachlich glätten - Fachtexte für die Doku verständlicher formulieren |
| Nicht erlaubt | KI löst die Aufgabe | - Ganze Methoden oder Klassen generieren lassen - Eine Aufgabe abgeben, deren Modellierung die KI gemacht hat |
Die Trennlinie liegt beim Problemlösen: Ergänzende Formulierungsvorschläge sind in Ordnung. Sobald die KI die Lösungsidee liefert, ist es keine Eigenleistung mehr.
Bessere Prompts
Formulieren Sie Prompts so, dass die KI Ihnen beim Denken hilft, statt für Sie zu denken:
- statt „Schreib mir die Methode
auftraege_umsetzen" → „Stelle mir drei Fragen zu meinem Entwurf, die ich noch nicht bedacht habe." - statt „Verbessere meinen Code" → „Erkläre mir Zeile für Zeile, was mein Code tut. Sag nichts über Verbesserungen."
- statt „Wie geht Hashing?" → „Nenne mir die Fachbegriffe, die ich zu Hashing recherchieren muss."
Kennzeichnung und Dokumentation
Einführung in Zukunft
Das unten beschriebene Vorgehen führen wir später ein. Eventuell wandelt sich das noch.
Bei allen bewerteten Abgaben (Projekte, Teamaufgaben, Portfolios, Hausarbeiten) legen Sie Ihre KI-Nutzung offen. Nicht gekennzeichnete Nutzung ist eine Täuschungshandlung – mit denselben Folgen wie ein Spickzettel.
Hängen Sie dazu eine kurze Tabelle an Ihre Abgabe:
| Abschnitt / Datei | Tool | Art der Nutzung |
|---|---|---|
pin_pruefen() | ChatGPT 5 | Fehler im Vergleich der Hashwerte gefunden |
| Doku, Kapitel 2 | Claude | Formulierung von zwei Absätzen geglättet |
| Rest | – | eigenständig |
Zwei Zusatzregeln
- Chatverlauf sichern. Speichern Sie Prompts und Antworten auch außerhalb des KI-Tools (Export, Screenshot, Notiz). Konten werden gelöscht, Links verfallen.
- Kein Eintrag nötig für nicht-generative Hilfen: Rechtschreibprüfung, Wörterbuch, Syntax-Highlighting, Autovervollständigung von Klammern.
Selbsttest vor der Abgabe
Können Sie jede Zeile erklären?
Gehen Sie Ihre Abgabe durch und erklären Sie sich selbst laut jede Zeile: Was tut sie, warum steht sie dort, was passiert ohne sie? Können Sie es nicht, gehört die Zeile nicht in Ihre Abgabe.
Bei Unklarheiten bitte ich Sie zu einem kurzen Gespräch über Ihre Abgabe. Wenn Sie den Selbsttest oben bestehen, ist es ein angenehmes Fachgespräch.
Datenschutz: keine echten Daten
Was nicht in ein Prompt gehört
- Personenbezogene Daten: echte Namen, Adressen, Geburtsdaten, IBAN, PIN, Passwörter, Telefonnummern – auch nicht Ihre eigenen, auch nicht „nur zum Testen".
- Urheberrechtlich geschützte Inhalte: fremde Texte, Schulbuchseiten, Klausuren, Code aus fremden Repos ohne passende Lizenz. Die Eingabe kann selbst schon eine Rechtsverletzung sein.
Die Goethe-Universität bringt es auf einen Satz: „Wenn sie umsonst sind, bezahlen Sie wahrscheinlich mit Ihren Daten." Nutzen Sie konsequent erfundene Testdaten. In der Informatik ist das ohnehin die bessere Praxis.
KI irrt – und zwar überzeugend
KI-Tools können laut Goethe-Universität „glaubhaft lügen und schlechte Ratschläge geben". Ihre Aussagen sind nicht nachvollziehbar belegt. Praktisch heißt das im Programmieren:
- Erfundene APIs. Methoden, Parameter und Module, die es so nicht gibt. Prüfen Sie in der offiziellen Dokumentation, nicht im Chat.
- Lauffähig ≠ korrekt. Führen Sie jede KI-Ausgabe selbst aus und testen Sie sie mit eigenen Testfällen – inklusive Randfällen.
- Veralteter Stand. Vorschläge stammen oft aus alten Python-Versionen oder aus überholten Sicherheitsempfehlungen.
- Mathematik. Bei Berechnungen besonders skeptisch sein; dafür sind Fachwerkzeuge wie WolframAlpha da, nicht ein Sprachmodell.
Freiwilligkeit
KI-Nutzung ist freiwillig und darf Sie nicht benachteiligen. Wer kein Tool nutzen will oder keinen Zugang zu einem bezahlten Dienst hat, bekommt jederzeit einen gleichwertigen Weg ohne KI. Sagen Sie mir einfach Bescheid.
Quellen
- Goethe-Universität Frankfurt: Allgemeine Empfehlungen im Umgang mit generativer KI in Studium und Lehre
- Goethe-Universität Frankfurt: Einsatz von generativer KI im Studium – Handlungsempfehlungen für Studierende
- Goethe-Universität Frankfurt: Handreichung für Lehrende – Umgang mit generativer KI in Prüfungsleistungen